Mordsjob – Vier Stories von Karriere to go

Ein Fallmanager will die Erfolgsquote zweier Behörden erhöhen, ein Versicherungsagent prämienkillende Kurerfolge kurieren, ein Kronprinz die Karriere mit Kaffee befördern und ein Kreuzfahrtdirektor die Position seines Gastes stärken.
Vier Abgründe aus dem Arbeitsalltag aus
„Makellose Morde to go“

 

„Bitterböser, schwarzer Humor vom Feinsten“ 
Sascha Salamander über „Makellose Morde to go“

Susanne Henke
Mordsjob
Vier Stories von Karriere to go
BoD E-Short, April 2015
ISBN: 9783734789755
20 Seiten, € 0,99

Mord in mehr als zwei Sätzen

Mordsliebhaber

Sie tanzt Julia. Er probt für Othello.
Ein anderer gibt im Ruhestand den Jago.
Ein Traumhaus wird zum Taj Mahal und
das Fest der Liebe zur Himmelfahrt.
Vier lebensgefährliche Geschichten
von der Liebe aus
„Makellose Morde to go“


„Scheinbar leichte Kost mit Raffinesse. Eine Wohltat“

Eva Schuster / Eselsohren.at über „Makellose Morde to go“

Susanne Henke
Mordsliebhaber
Vier Stories von Liebe to go
BoD E-Short, November 2014
ISBN 9783734728969
€ 0,99

Abgefüllt

cover_morde_150Verdammte Idylle. Drei Jahre lang habe ich mir den Arsch in dieser Einöde aufgerissen. Lieblich dekoriert, für die Touristen herausgeputzt, Gartenzwergmentalität gepaart mit Größenwahn. Keine drei Monate hat Silvia es ausgehalten. Musste zurück in ihre Stadt, konnte nicht atmen in dieser Enge.

Den alten Leutchen gefällt es um so besser. Verprassen meine Prämien. Da drüben, Frau Gerlach inmitten ihrer Freundinnen. Mit ihren weißen Fluffhaaren sehen sie aus wie ein Löwenzahnstrauß. Einmal pusten, und sie lösen sich in Luft auf. Wenn es doch nur so einfach wäre. weiterlesen

WM-Baby

Makellose Morde to go

Der Ball schießt weit über die Torwand hinaus. Hajo Hohmann bleibt auch in diesem Jahr unbesiegter Meisterschütze. Seinem Kontrahenten spendiert er ein Schulterklopfen.“Lassen Sie den Kopf nicht hängen, Thomsen. Ich war ja schließlich auch mal Profi. Im Gespräch für die Nationalelf. Wäre da nicht diese Verletzung dazwischengekommen …”
Auf dem Weg zum Partyzelt zieht er das rechte Bein stärker nach als sonst. Er gibt dem Discjockey ein Zeichen, die Musik verstummt. Ein Ruck geht durch das überwiegend männliche Team der Hohmann Software Consulting, das sich in lässigem Freizeitlook auf langen Holzbänken lümmelt. Chefprogrammierer Johannsson geleitet Controllerin Pick zurück an ihren Platz, wo sie unauffällig die Spuren seiner Tanzkünste von ihren hellen Pumps wischt. Hohmann greift zum Mikrofon.
“Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ich habe noch eine Überraschung für Sie. Wie Sie alle wissen, startet in genau einem Jahr die Fußballweltmeisterschaft. Auch wir werden natürlich unser Bestes geben, damit die Gäste aus aller Welt unvergessliche Fußballwochen erleben. Und einer von Ihnen kann live dabei sein. Wer zu diesem gesellschaftlich bedeutenden Ereignis einen gesellschaftlich bedeutsamen Beitrag leistet, bekommt von mir zwei VIP-Karten für alle Spiele der deutschen Mannschaft!”
Anerkennende Pfiffe füllen die Kunstpause. Ralf raunt seinem Kollegen Kai zu: “Mach dir keine Hoffnungen, mein Name steht schon drauf!”
”Der Vater”, Hohmann schenkt Frau Pick ein Lächeln, “oder die Mutter des ersten Stammhalters, der zwischen März und Ende Mai kommenden Jahres geboren wird, sitzt bei der WM in der ersten Reihe. Sorgen Sie für die Weltmeister von morgen!”
Johannsson bricht über seinem Bierglas zusammen. “Warum immer ich?” Die tiefen Ringe unter seinen Augen zeugen von den Strapazen der ersten Vaterschaft. Seit sechs Wochen wechselt er Windeln im Akkord – Zwillinge. Ralf zerbricht seinen Bierdeckel, zerbröselt die Hälften zwischen den Fingern. Ein Kind. Ausgerechnet!
Kai stößt ihm den Ellenbogen in die Rippen. “Na, immer noch so sicher? Hohmann beim Torwandschießen gewinnen zu lassen, reicht wohl doch nicht!”

”Football is coming home” dröhnt aus den Lautsprechern, Ralf gibt Gas und grölt mit. Christines “Ich will keine Kinder. Weder jetzt noch später!” klang einmal genauso schön für ihn. Man brauchte sich ja nur Johannsson anzusehen, um zu erkennen, was Vaterfreuden bedeuteten. Das Cabrio gegen eine Familienkutsche eintauschen? Die Stadtwohnung gegen ein Häuschen im Grünen? Ferienclub mit Kinderanimation statt Segeltörn? Nein, bei Christine gab es kein Gerede vom Ticken der biologischen Uhr, keine verschleierten Kulleraugen beim Anblick eines strampelnden Windelpaketes. Ihn konnten die Kumpels bei seiner Hochzeit nicht erschrecken mit ihrem “Na, hast du schon die Kinderkarre bestellt?”.
Am Fußballplatz steigt er aus und setzt sich auf die schiefgetretenen Stufen, auf denen stolze Väter allsonntaglich ihre Jungs anfeuern. Die Weltmeisterschaft im eigenen Land. Bei der letzten war er selbst kaum größer als ein Fußball, krakelte “Tor! Tor!” auf Papas Schoß, egal ob es passte oder nicht. Später musste Papa dann auch mit ihm auf den Platz und seinem Torschützenkönig in spe zujubeln. Wie ihr Kind wohl aussähe? Ein kickender Mini-Thomsen mit Christines leuchtend weißblondem Haar? Oder eine Tochter, schön und treffsicher wie Keira Knightley in “Kick it like Beckham”? VIP-Karten! Hautnah im Stadion dabei sein, vielleicht das Wunder von Berlin erleben  …weiterlesen

Für immer und ewig

Makellose Morde to go

Blutrote Rosen auf dem Beifahrersitz. Die Folie knistert im Fahrtwind. Pavarotti schmettert “Vincero”, Hieronymus stimmt lauthals ein. Hinter der nächsten Kurve kommt die Abfahrt: “Privatgrundstück – Durchfahrt verboten”. Knapp hundert Meter geht es durch den Wald. Dahinter hält er einen Moment an, als könne das Bild sich bei zu schneller Annäherung auflösen wie eine Fata Morgana.
Auf einem kleinen Plateau thront seine Villa über dem Meer. In der untergehenden Sonne erstrahlen die Mauern rotgold. Klare Linien mit kühnem Schwung, strenge Eleganz, schnörkellos und lichtdurchflutet. Der perfekte Rahmen für Helenas Schönheit.

An ihrem siebzehnten Geburtstag sah er sie zum ersten Mal. Nur widerwillig hatte er sich von seinen Kommilitonen zu dem Ausflug an die Ostsee überreden lassen. Lernen wollte er. Das Volleyballmatch schien überhaupt kein Ende zu nehmen. Sein letzter Aufschlag landete mitten in Helenas Strandparty. Den Ball rettete sie vor dem Feuer. Ihn forderte sie zum Tanz auf.
“Was willst du mit dieser kleinen Verkäuferin?”, fragte sein Freund, als sie in Hieronymus‘ Studentenbude einzog.

Langsam fährt er die kiesbestreute Auffahrt hinauf.

Ein Strandspaziergang im Herbst. Eng umschlungen trotzten sie dem kalten Wind. Jeder Schritt begleitet vom sanften Knirschen der Kieselsteine. Plötzlich blieb Helena stehen, rief mit sturmübertönender Stimme:
“Bau mir ein Haus am Meer!”
Eine Strähne ihres salzverklebten Haars wehte ihm ins Gesicht. Die Kälte hatte er gar nicht mehr gespürt. Auf Knien versprach er ihr ihr Seeschlösschen. Ein gewagtes Vorhaben für einen mittellosen Architekturstudenten. Die erste Zeichnung malte er gleich in den feuchten Sand.
“Vergiss es nicht!”, hatte sie gelacht und ihm einen runden Kieselstein in die Hand gedrückt.

Er greift in seine Jackentasche. Der Stein war inzwischen vollkommen glatt.
Es gab Tage, da hatte er ihn überhaupt nicht aus der Hand gelegt. Besonders in Amerika. Das Jahrespraktikum bei Mahrani & Meerbaum war wie ein Ritterschlag für einen angehenden Architekten. Aber er konnte Helena nicht mitnehmen. Ihre letzte Umarmung am Flughafen, ihre weichen Lippen an seinem Ohr: “Ich gehöre zu dir, für immer und ewig.” …weiterlesen

Ewige Frische

Makellose Morde to go

Deine Frischzellenkur. Du brauchst das einfach. Spüren, wie die Kälte in deine Haut beißt, die heizungsluftverweichlichten Lungenflügel erst schmerzhaft zusammenzucken, und sich dann an der eisigen Höhenluft laben. Die Augen, verborgen hinter der verspiegelten Brille, auf die unendliche Weiße gerichtet. Dieses Nichts, das dich versöhnt mit dem Multitasking deines Managerdaseins. Das Prickeln jeder Pore, wenn du nach einer Schussfahrt in die Hütte kommst. Der Hütte, zu der außer dir und mir nur dein Busenfreund Anselm und seine reizende Rebecca Zutritt haben.
Sie sind draußen mit dir auf dem Gletscher, während ich für den nötigen Hüttenzauber sorge. Energienachschub für die erfrischten Zellen. Ein Tag auf der Piste macht hungrig. Und mit zunehmendem Alter brauchen die Zellen nicht nur mehr als eine Frischzellenkur im Jahr, auch der Gaumen wird verwöhnter. In der Gefriertruhe mit außentemperaturgesteuertem Generator lagern die per Helikopter eingeflogenen Zutaten für die Haute Cuisine. In die Kunst der gourmetgerechten Zubereitung von Wild und anderem Getier hast du mich eigens von dem angesagtesten Sternekoch der Stadt einweisen lassen. Er war damit erfolgreicher, als du bei deinem Versuch, mein Skitalent zu wecken.
“Die Bindung ist das Wichtigste”,” hast du gesagt, “wenn die Bindung sich löst, ist alles vorbei.”
Ein halbes Jahr habe ich gebraucht, bis ich wieder laufen konnte. Dafür kann ich jetzt meinen rechten Unterschenkel allein auf die Abfahrt schicken. Mit der richtigen Bindung, versteht sich. …weiterlesen

Weihnachtsmann mit Nebenwirkungen

Makellose Morde to go

“Wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Im günstigsten Fall bringen sie sich gegenseitig um!”
Manfred Klein schwang sich vom Schreibtisch seiner Sekretärin.
“Schick Mahler gleich zu mir. Und sag den Umzugsleuten Bescheid, dass sie inzwischen seine Sachen in Doras Büro transportieren.”

Wilfried Mahler frühstückte bei weit geöffnetem Fenster und lauschte einer frisch eingetroffenen CD. Zu den Klängen von Brad Mehldau, zeitgenössisch das Maß aller Dinge am Jazzpiano, formulierte er in Gedanken seine Rezension, als der Anruf von Kleins Sekretärin kam. Sofort meldete sich sein Magengeschwür.Vor Schmerz von 1,90 auf durchschnittliche 1,75 zusammengekrümmt, schlich er ins Chefbüro.

Klein musste trotzdem zu ihm aufsehen und bot ihm sofort den Sündersstuhl vor seinem Schreibtisch an. Ein Drittel der Redaktionsmannschaft hatte er in seinem halben Jahr als Chefredakteur schon gefeuert.Wilfried atmete durch. Ihm konnte nichts passieren. Schließlich war er seit fünfzehn Jahren dabei. Zehn davon als Betriebsratsmitglied.
Klein wanderte hinter seinemn Tisch auf und ab.
“Sie sehen krank aus, Mahler.”
Wilfried verneinte mit einem matten Kopfschütteln.“Ein bisschen Abwechslung wird Ihnen gut tun!”
Klein stoppte seine Wanderung.
“Ab sofort übernehmen Sie die Rätsel!”
Wilfried sackte zusammen. Klein holte zum letzten Schlag aus.
“Und Sie ziehen zur geschätzten Kollegin Weuble!”

Die Möbelpacker hatten ganze Arbeit geleistet. Seine penibel sortierten CD’s lagen zusammengewürfelt mit Büchern und Papieren in vier Kisten, obenauf die Yucca-Palme und sein angebissenes Frühstücksbrötchen.
Dora würdigte ihn keines Blickes. Sie thronte in ihrer ganzen Massigkeit auf ihrem Stuhl, telefonierte und stopfte sich unablässig Apfelschnitze in den Mund.
“Das Wasser muss erst kochen, dann kommen die Spaghetti rein.”
Sie legte auf, verschloss die Tupperdose und rollte Richtung Tür.
“Ich gehe jetzt in die Pause. Wenn jemand für mich anruft, schreib es bitte auf!”
Wilfried klemmte sich hinter den Schreibtisch. Das Telefon klingelte in adrenalinfördernder Lautstärke.
“Wie lange müssen die Dinger denn drin bleiben?”, herrschte eine junge Frauenstimme ihn an.
“Sie möchten bestimmt mit Frau Weuble sprechen.”
“Wer sind Sie denn? Meine Mutter hat mir nicht gesagt, wie lange diese blöden Spaghetti kochen müssen.”
“Steht auf der Packung.”
“Klugscheißer!”, brüllte sie und knallte den Hörer auf.
Wilfried ließ sich zurückfallen. Sein Kopf krachte gegen die Wand. Eindeutig ein Fall für den Betriebsrat. Er brauchte dringend frische Luft  …weiterlesen