Abgefüllt

cover_morde_150Verdammte Idylle. Drei Jahre lang habe ich mir den Arsch in dieser Einöde aufgerissen. Lieblich dekoriert, für die Touristen herausgeputzt, Gartenzwergmentalität gepaart mit Größenwahn. Keine drei Monate hat Silvia es ausgehalten. Musste zurück in ihre Stadt, konnte nicht atmen in dieser Enge.

Den alten Leutchen gefällt es um so besser. Verprassen meine Prämien. Da drüben, Frau Gerlach inmitten ihrer Freundinnen. Mit ihren weißen Fluffhaaren sehen sie aus wie ein Löwenzahnstrauß. Einmal pusten, und sie lösen sich in Luft auf. Wenn es doch nur so einfach wäre.

Dieses Wasser ist einfach zu gesund. Typisch Rögner, dass er uns zum Auftakt des vierteljährlichen Motivationsmeetings an die Quelle geführt hat.
“Nehmen Sie sich ein Beispiel am Grafen Kreuzberg. Er hat den Kopf nicht in den Sand gesteckt, weil seine Reben vor sich hin kümmerten. Er ging der Sache auf den Grund und machte aus dem Wasser, das seinen Wein verdarb, eine Weltmarke!”

Danach ging es in die Abfüllanlage. Hunderte kleiner Flaschen ruckelten in Reih und Glied auf dem Band durch die Halle. Klack, klack, Deckel drauf. Nichts kann mehr entweichen. Hossa! Wir sind ein Team. Wer nicht recycelt werden kann, kommt auf den Müll. Rögners fleischige Hand auf meinem Arm. “Ihre Bilanz ist bedenklich, alter Sportsfreund.”

Kundenbindung und solide Neuabschlüsse, das war gestern. Was zählt, ist die Gesamtquote. Sterbeversicherungen verkaufen sich wie warme Semmeln. Aber gestorben wird gefälligst vor Ablauf der Anwartzeit. Wer kurz vor Erreichen der Auszahlung seiner monatlichen Privatrente ins Gras beißt, bekommt auch einen schönen Kranz von der Versicherung – “Wir begleiten Sie durch jede Krise”.

Frau Gerlach und ihr Damenkränzchen brechen auf. Der Berg ruft zum Burgunderfest …weiterlesen