Für immer und ewig

Makellose Morde to go

Blutrote Rosen auf dem Beifahrersitz. Die Folie knistert im Fahrtwind. Pavarotti schmettert “Vincero”, Hieronymus stimmt lauthals ein. Hinter der nächsten Kurve kommt die Abfahrt: “Privatgrundstück – Durchfahrt verboten”. Knapp hundert Meter geht es durch den Wald. Dahinter hält er einen Moment an, als könne das Bild sich bei zu schneller Annäherung auflösen wie eine Fata Morgana.
Auf einem kleinen Plateau thront seine Villa über dem Meer. In der untergehenden Sonne erstrahlen die Mauern rotgold. Klare Linien mit kühnem Schwung, strenge Eleganz, schnörkellos und lichtdurchflutet. Der perfekte Rahmen für Helenas Schönheit.

An ihrem siebzehnten Geburtstag sah er sie zum ersten Mal. Nur widerwillig hatte er sich von seinen Kommilitonen zu dem Ausflug an die Ostsee überreden lassen. Lernen wollte er. Das Volleyballmatch schien überhaupt kein Ende zu nehmen. Sein letzter Aufschlag landete mitten in Helenas Strandparty. Den Ball rettete sie vor dem Feuer. Ihn forderte sie zum Tanz auf.
“Was willst du mit dieser kleinen Verkäuferin?”, fragte sein Freund, als sie in Hieronymus‘ Studentenbude einzog.

Langsam fährt er die kiesbestreute Auffahrt hinauf.

Ein Strandspaziergang im Herbst. Eng umschlungen trotzten sie dem kalten Wind. Jeder Schritt begleitet vom sanften Knirschen der Kieselsteine. Plötzlich blieb Helena stehen, rief mit sturmübertönender Stimme:
“Bau mir ein Haus am Meer!”
Eine Strähne ihres salzverklebten Haars wehte ihm ins Gesicht. Die Kälte hatte er gar nicht mehr gespürt. Auf Knien versprach er ihr ihr Seeschlösschen. Ein gewagtes Vorhaben für einen mittellosen Architekturstudenten. Die erste Zeichnung malte er gleich in den feuchten Sand.
“Vergiss es nicht!”, hatte sie gelacht und ihm einen runden Kieselstein in die Hand gedrückt.

Er greift in seine Jackentasche. Der Stein war inzwischen vollkommen glatt.
Es gab Tage, da hatte er ihn überhaupt nicht aus der Hand gelegt. Besonders in Amerika. Das Jahrespraktikum bei Mahrani & Meerbaum war wie ein Ritterschlag für einen angehenden Architekten. Aber er konnte Helena nicht mitnehmen. Ihre letzte Umarmung am Flughafen, ihre weichen Lippen an seinem Ohr: “Ich gehöre zu dir, für immer und ewig.” …weiterlesen

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