Weihnachtsmann mit Nebenwirkungen

Makellose Morde to go

“Wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Im günstigsten Fall bringen sie sich gegenseitig um!”
Manfred Klein schwang sich vom Schreibtisch seiner Sekretärin.
“Schick Mahler gleich zu mir. Und sag den Umzugsleuten Bescheid, dass sie inzwischen seine Sachen in Doras Büro transportieren.”

Wilfried Mahler frühstückte bei weit geöffnetem Fenster und lauschte einer frisch eingetroffenen CD. Zu den Klängen von Brad Mehldau, zeitgenössisch das Maß aller Dinge am Jazzpiano, formulierte er in Gedanken seine Rezension, als der Anruf von Kleins Sekretärin kam. Sofort meldete sich sein Magengeschwür.Vor Schmerz von 1,90 auf durchschnittliche 1,75 zusammengekrümmt, schlich er ins Chefbüro.

Klein musste trotzdem zu ihm aufsehen und bot ihm sofort den Sündersstuhl vor seinem Schreibtisch an. Ein Drittel der Redaktionsmannschaft hatte er in seinem halben Jahr als Chefredakteur schon gefeuert.Wilfried atmete durch. Ihm konnte nichts passieren. Schließlich war er seit fünfzehn Jahren dabei. Zehn davon als Betriebsratsmitglied.
Klein wanderte hinter seinemn Tisch auf und ab.
“Sie sehen krank aus, Mahler.”
Wilfried verneinte mit einem matten Kopfschütteln.“Ein bisschen Abwechslung wird Ihnen gut tun!”
Klein stoppte seine Wanderung.
“Ab sofort übernehmen Sie die Rätsel!”
Wilfried sackte zusammen. Klein holte zum letzten Schlag aus.
“Und Sie ziehen zur geschätzten Kollegin Weuble!”

Die Möbelpacker hatten ganze Arbeit geleistet. Seine penibel sortierten CD’s lagen zusammengewürfelt mit Büchern und Papieren in vier Kisten, obenauf die Yucca-Palme und sein angebissenes Frühstücksbrötchen.
Dora würdigte ihn keines Blickes. Sie thronte in ihrer ganzen Massigkeit auf ihrem Stuhl, telefonierte und stopfte sich unablässig Apfelschnitze in den Mund.
“Das Wasser muss erst kochen, dann kommen die Spaghetti rein.”
Sie legte auf, verschloss die Tupperdose und rollte Richtung Tür.
“Ich gehe jetzt in die Pause. Wenn jemand für mich anruft, schreib es bitte auf!”
Wilfried klemmte sich hinter den Schreibtisch. Das Telefon klingelte in adrenalinfördernder Lautstärke.
“Wie lange müssen die Dinger denn drin bleiben?”, herrschte eine junge Frauenstimme ihn an.
“Sie möchten bestimmt mit Frau Weuble sprechen.”
“Wer sind Sie denn? Meine Mutter hat mir nicht gesagt, wie lange diese blöden Spaghetti kochen müssen.”
“Steht auf der Packung.”
“Klugscheißer!”, brüllte sie und knallte den Hörer auf.
Wilfried ließ sich zurückfallen. Sein Kopf krachte gegen die Wand. Eindeutig ein Fall für den Betriebsrat. Er brauchte dringend frische Luft  …weiterlesen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s